Ein Ausflug nach Leshan

Der Höhepunkt dieser Woche war definitiv der Ausflug mit meiner Gastfamilie am Freitag. Aber wie so oft in China begann der Tag erstmal mit Essen – genauer gesagt mit Frühstück.

In China bedeutet Frühstück nämlich nicht unbedingt Brot, Müsli oder Kaffee, wie ich es aus Deutschland kenne. Oft isst man es in kleinen Restaurants am Straßenrand. Bei uns gab es eine Nudelsuppe mit Rindfleisch oder Nudeln mit Fleischfüllung. Besonders die Nudelsuppe zum Frühstück ist hier ganz normal und gehört für viele Chinesen zum Alltag.

Danach machten wir uns früh auf den Weg Richtung Berge. Nach ungefähr 1,5 Stunden Fahrt auf der Schnellstraße kamen wir in Leshan an. Die Stadt ist vor allem für den berühmten Großen Buddha von Leshan bekannt, aber auch die Landschaft rund um die Flüsse und Berge ist beeindruckend.

Unser erstes Ziel war ein Restaurant direkt am Fluss. Dort wurden zwei lebende Fische gekauft, die anschließend frisch für uns zubereitet wurden. Die Fische aus dieser Region sind besonders bekannt, da sie aus den klaren Bergflüssen stammen, insbesondere aus dem Minjiang (Min-Fluss), der die Region rund um Leshan durchzieht und speist.

Auf dem Tisch landeten schließlich verschiedene Fischgerichte: zwei unterschiedliche Fischsuppen – eine mit Nudeln und eine schärfere Variante mit viel Gemüse –, außerdem frittierter Fisch, Reis und ein sehr salziger Gurkensalat.

Eine Sache, an die ich mich in China erst noch gewöhnen muss: Hier wird der Fisch komplett gegessen. Damit meine ich wirklich alles – vom Kopf bis zur Schwanzflosse. Für mich war das erstmal ungewohnt und auch die Fischsuppe war ehrlich gesagt nicht ganz mein Geschmack.

Nach dem Essen ging es weiter zu einer anderen Stelle am Fluss. Dort konnten wir mit den Füßen ins Wasser und uns etwas abkühlen. Das Besondere war, dass dort Tische und Stühle direkt im Wasser standen. Außerdem gab es eine Art BBQ, sodass man gemütlich mitten im Fluss sitzen, essen und die Umgebung genießen konnte. So etwas hatte ich vorher noch nie gesehen.

Unser letzter Stopp an diesem Tag waren die Reisfelder zwischen Leshan und Emeishan. Wir kamen genau zum Sonnenuntergang dort an und konnten beobachten, wie das Licht langsam über die Felder und Berge fiel. Die vielen grünen Terrassen mit den Bergen im Hintergrund sahen wirklich wunderschön aus.

Die Region um Emeishan ist übrigens nicht nur für ihre Landschaft bekannt, sondern auch für den heiligen Berg Emei, einen der vier heiligen buddhistischen Berge Chinas. Die Gegend verbindet Natur, Kultur und Religion und ist deshalb ein beliebtes Reiseziel in Sichuan.

Auch am Abend durfte natürlich das Essen nicht fehlen. Wir haben eine typische Spezialität aus der Region Sichuan probiert: Bo Bo Ji (钵钵鸡).

Dabei werden verschiedene Zutaten wie Fleisch, Innereien, Fisch, Tofu oder Gemüse auf kleine Spieße gesteckt und anschließend in einer würzigen, öligen Chilisauce eingelegt. Anders als bei vielen anderen chinesischen Gerichten wird Bo Bo Ji kalt gegessen. Die Kombination aus der scharfen Sauce, den verschiedenen Gewürzen und den unterschiedlichen Zutaten war für mich wieder eine ganz neue Geschmackserfahrung.

Sichuan ist in China besonders für seine scharfe Küche bekannt. Typisch ist dabei nicht nur die Schärfe der Chilis, sondern auch der besondere Geschmack des Sichuanpfeffers, der auf der Zunge ein leicht prickelndes und manchmal sogar taubes Gefühl hinterlässt. Auch bei Bo Bo Ji merkt man diese typische Sichuan-Küche: intensiv gewürzt, scharf und ganz anders als das chinesische Essen, das man in Deutschland meistens kennt.

Weitere Erlebnisse in Chengdu

Neben unserem Familienausflug habe ich diese Woche auch noch ein bisschen mehr von Chengdu entdeckt.

Ich war bei den Zwillingstürmen von Chengdu. Die beiden über 200 Meter hohen Türme gehören zu den modernen Wahrzeichen der Stadt. Besonders beeindruckend ist die große LED-Animation an den Fassaden, die abends verschiedene Bilder und Lichtshows zeigt. Zwischen den ganzen Hochhäusern merkt man dort besonders, wie modern und schnell wachsend Chengdu ist.

Außerdem habe ich die Anshun-Brücke besucht. Diese historische Brücke über den Jin-Fluss gehört zu den bekanntesten Orten in Chengdu. Schon Marco Polo soll im 13. Jahrhundert von einer Brücke in Chengdu berichtet haben, weshalb sie oft mit seinen Reiseberichten in Verbindung gebracht wird. Die heutige Brücke ist zwar eine Rekonstruktion, aber sie steht an einem historischen Ort und ist besonders abends mit den beleuchteten Gebäuden am Fluss sehr schön anzusehen.

Bis nächsten Sonntag!

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