Diese Woche hat die Golden Week begonnen und in Chengdu merkt man sofort, dass sich die Stadt verändert. Seit dem 1. Oktober sind deutlich mehr Menschen unterwegs. Besonders in der Metro fällt der Unterschied auf. Die Züge sind voller und an vielen Stationen sieht man zusätzlich mehr Polizei und Sicherheitspersonal. Auch auf den Straßen sind deutlich mehr Menschen unterwegs als in den Wochen zuvor.
Für mich hat die Golden Week allerdings erst einmal mit drei freien Tagen begonnen. Miki war in dieser Zeit bei ihren Großeltern, sodass ich die Gelegenheit hatte, Chengdu ein bisschen auf eigene Faust zu erkunden.
Fanghua Street

Am ersten freien Tag bin ich zur Fanghua Street (芳华街) gefahren. Die Straße liegt im Yulin-Viertel, einem älteren und bekannten Stadtteil von Chengdu. Die Gegend ist vor allem für ihre Mischung aus traditionellem Wohnviertel und moderner, kreativer Szene bekannt.
Die Fanghua Street ist keine klassische Sehenswürdigkeit mit einem einzelnen historischen Gebäude. Vielmehr hat sich die Gegend mit der Zeit entwickelt. Zwischen älteren Wohnhäusern und kleinen Geschäften haben sich immer mehr Cafés, Restaurants, Boutiquen und kreative Läden angesiedelt. Dadurch entsteht eine interessante Mischung aus dem alltäglichen Leben der Bewohner und einer moderneren, etwas alternativen Atmosphäre.
Genau das hat mir dort gefallen. Ich bin einfach ohne einen festen Plan durch die Straßen gelaufen und habe mir die verschiedenen kleinen Läden angeschaut. Immer wieder kommt man an Cafés vorbei, die eher klein und individuell gestaltet sind und dazu einladen, sich hinzusetzen und eine Weile zu bleiben.
Es war schön, einmal eine andere Seite von Chengdu zu sehen. Die Stadt besteht für mich inzwischen nicht mehr nur aus großen Einkaufszentren, Sehenswürdigkeiten und den bekannten touristischen Orten. Gerade solche Viertel zeigen, wie unterschiedlich Chengdu sein kann.



Wenn man in Chengdu ist und neben den klassischen Sehenswürdigkeiten auch eine modernere und kreativere Seite der Stadt kennenlernen möchte, würde ich die Fanghua Street auf jeden Fall empfehlen.
Ein Nachmittag am Tiexiang Temple
Am zweiten freien Tag wollte ich mir den Sheng’an Wistaria Bereich und den Tiexiang Temple (铁像寺) anschauen.
Der Tiexiang Temple hat eine Geschichte, die bis in die Ming-Dynastie zurückreicht. Er wurde im Jahr 1590 gegründet. Der Überlieferung nach wurde an dieser Stelle beim Graben eine eiserne Statue des Shakyamuni Buddha gefunden. Nach dieser Statue erhielt der Tempel seinen Namen: „Tiexiang“ bedeutet sinngemäß „eiserne Statue“. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Tempel mehrfach renoviert und entwickelte sich zu einem wichtigen buddhistischen Ort in Chengdu.
Heute liegt der Tempel mitten in der modernen Stadt. Genau dieser Kontrast ist mir beim Besuch besonders aufgefallen. Nur wenige Minuten entfernt befinden sich moderne Straßen und Gebäude, während man sich auf dem Tempelgelände plötzlich zwischen traditionellen Gebäuden, alten Bäumen und ruhigen Wegen befindet.






Rund um den Tempel befindet sich außerdem ein größerer Park mit verschiedenen Seen, kleinen Wasserläufen und Brücken. Besonders typisch für Chengdu sind die vielen Teehäuser. An diesem Tag war es sonnig und ungefähr 25 Grad warm, weshalb die Teehäuser sehr gut besucht waren. Überall saßen Menschen zusammen, tranken Tee und unterhielten sich.
Ich habe mich irgendwann einfach auf eine Bank gesetzt und eine Weile dort gesessen. Neben mir spielte ein Mann ein traditionelles chinesisches Saiteninstrument. Ich konnte nicht genau sagen, welches Stück er spielte, aber die Musik hat sehr gut zu diesem Ort gepasst. Dazu das Wasser, die Bäume und die Menschen in den Teehäusern – obwohl ich mich mitten in einer Millionenstadt befand, war es für einen Moment erstaunlich ruhig.
Gerade solche Momente gefallen mir hier besonders. Chengdu kann laut, voll und hektisch sein, besonders jetzt während der Golden Week. Gleichzeitig gibt es mitten in der Stadt Orte, an denen man einfach sitzen, Tee trinken und dem Trubel für eine Weile entkommen kann.




Zwei sehr unterschiedliche Seiten von Chengdu
Die beiden Tage haben mir eigentlich ganz gut gezeigt, was ich an Chengdu inzwischen besonders interessant finde. Am ersten Tag war ich in der Fanghua Street und habe eine moderne, kreative und alternative Seite der Stadt kennengelernt. Am zweiten Tag war ich an einem historischen Tempel und habe erlebt, wie eng Tradition und modernes Stadtleben hier nebeneinander existieren.
Ich glaube, genau diese Mischung macht Chengdu für mich immer interessanter. Man kann morgens durch moderne Einkaufsstraßen laufen, in kleinen Cafés sitzen oder mit der Metro durch die Stadt fahren und kurze Zeit später in einem traditionellen Tempel oder einem ruhigen Teehaus sitzen.
Jetzt bin ich gespannt, wie sich die Stadt in den restlichen Tagen der Golden Week noch verändern wird. Schon jetzt ist deutlich mehr los als sonst – und ich habe das Gefühl, dass das erst der Anfang ist.
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