In den letzten Tagen war bei mir eigentlich gar nicht so viel Besonderes los, trotzdem gab es ein paar interessante Erlebnisse.
Ich war am Tianfu Square (天府广场), einem der bekanntesten Plätze in Chengdu. Der Platz liegt mitten im Stadtzentrum und ist vor allem für die große Statue von Mao Zedong bekannt. Sie ist ungefähr 30 Meter hoch und wurde 1968 fertiggestellt. Mao Zedong war der führende Politiker bei der Gründung der Volksrepublik China, die 1949 ausgerufen wurde.
Auf dem Platz ist mir besonders die große Polizeipräsenz aufgefallen. Gleichzeitig waren viele Menschen dort, die Fotos von der Statue machten. Direkt hinter ihr befindet sich das Sichuan Science and Technology Museum. In der Umgebung gibt es außerdem große Einkaufszentren und zahlreiche Geschäfte, in denen man gut bummeln kann.


Ein Blick in die Geschichte Chengdus
Besonders interessant finde ich, dass Chengdu auf eine sehr lange Geschichte zurückblickt. Die Ursprünge der Zivilisation in der Region reichen mehrere Tausend Jahre zurück. Schon vor langer Zeit lebten hier Menschen der alten Shu-Kultur, die eine eigenständige Zivilisation mit beeindruckenden Kunstwerken und religiösen Traditionen entwickelten. Ein bedeutendes Zeugnis dieser frühen Kultur ist die archäologische Fundstätte Jinsha, die heute in einem Museum besichtigt werden kann.
Chengdu entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem wichtigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum im Südwesten Chinas. Im Jahr 316 vor Christus wurde das Shu-Königreich vom Qin-Staat erobert. Trotzdem blieb Chengdu eine bedeutende Stadt. Die fruchtbare Umgebung und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem trugen dazu bei, dass sich Landwirtschaft und Handel entwickeln konnten.
Wenn man heute über den Tianfu Square läuft, sieht man vor allem moderne Gebäude, Einkaufszentren, die U-Bahn und die große Mao-Statue. Dennoch befindet man sich in einem Stadtzentrum, das über viele Jahrhunderte hinweg eine wichtige Rolle gespielt hat. Es ist faszinierend, wie sich Chengdu von einer alten Siedlung zu einer modernen Millionenstadt entwickelt hat.
Unterschiede zwischen dem chinesischen und dem deutschen Schulsystem
Neben meinen kleinen Ausflügen hatte ich in den letzten Tagen auch einiges für die Schule zu tun. Ich habe viele Hausaufgaben gemacht und war wieder im Chinesischunterricht. Nach meiner Erkältung bin ich zum Glück wieder gesund und kann langsam zu meinem normalen Alltag zurückkehren.
Ein weiteres Erlebnis war das Elterngespräch in der Schule meiner Gasttochter. Ich bin gemeinsam mit ihrer Familie in die Schule gegangen, um am Gespräch mit ihrer Lehrerin teilzunehmen. Da ich mit meiner Gasttochter regelmäßig Lesen und Rechtschreibung übe, war es für mich besonders interessant, die Einschätzung ihrer Lehrerin zu hören und einen Einblick in den chinesischen Schulalltag zu bekommen.
Dabei habe ich mich auch intensiver mit den Unterschieden zwischen dem chinesischen und dem deutschen Schulsystem beschäftigt. Besonders die Länge des Schultages, die Hausaufgaben, die Schuluniformen und der Leistungsdruck finde ich interessant.
In Deutschland endet der Unterricht an vielen Schulen bereits am frühen Nachmittag. Es gibt zwar auch Ganztagsschulen, an denen die Kinder länger bleiben, aber das ist nicht überall der Fall. In China verbringen viele Schülerinnen und Schüler ebenfalls einen großen Teil des Tages in der Schule. Je nach Schule und Klassenstufe kann der Unterricht früh am Morgen beginnen und bis in den späten Nachmittag dauern. Teilweise kommen zusätzliche Lernzeiten hinzu.
Auch beim Samstag gibt es Unterschiede. In Deutschland haben die meisten Schülerinnen und Schüler samstags keinen regulären Unterricht. In China gilt offiziell ebenfalls die Fünf-Tage-Woche, allerdings gibt es Schulen und zusätzliche Lernangebote, bei denen auch am Wochenende gelernt wird. Besonders bei älteren Schülerinnen und Schülern, die sich auf wichtige Prüfungen vorbereiten, kann das Lernen einen großen Teil der Freizeit einnehmen.
Ein weiterer Unterschied sind die Hausaufgaben. Natürlich bekommen auch Kinder in Deutschland Aufgaben, die sie zu Hause erledigen sollen. In China habe ich jedoch den Eindruck, dass das zusätzliche Lernen und die Vorbereitung auf Prüfungen einen besonders großen Stellenwert haben. Auch die Bedeutung guter schulischer Leistungen und der spätere Zugang zu einer guten Universität spielen für viele Familien eine wichtige Rolle.
An vielen chinesischen Schulen tragen die Kinder außerdem Schuluniformen. Häufig handelt es sich dabei um sportliche Trainingsanzüge, die für alle Schülerinnen und Schüler ähnlich aussehen. In Deutschland gibt es an öffentlichen Schulen normalerweise keine verpflichtenden Schuluniformen. Die Kinder können ihre Kleidung selbst auswählen.
Mein persönlicher Eindruck: Dürfen Kinder noch Kinder sein?
Was mich am chinesischen Schulsystem besonders beschäftigt, ist die große Menge an Zeit, die Kinder und Jugendliche mit Lernen verbringen. Ich habe den Eindruck, dass viele von ihnen schon früh unter einem hohen Leistungsdruck stehen und ein großer Teil ihres Alltags von Schule, Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen bestimmt wird.
Teilweise finde ich es erschreckend, wie viel Zeit junge Menschen in ihre schulische Ausbildung investieren, um später einen Studienplatz an einer guten Universität zu bekommen. Natürlich ist Bildung wichtig, und auch in Deutschland müssen Schülerinnen und Schüler lernen und Prüfungen bestehen. Trotzdem frage ich mich, wie viel Zeit ihnen eigentlich noch bleibt, um einfach Kind zu sein.
Gerade bei jüngeren Kindern finde ich es wichtig, dass sie nicht nur lernen, sondern auch Zeit haben, ihre Umwelt zu entdecken, mit anderen Kindern zu spielen und eigene Interessen zu entwickeln. Kindheit sollte meiner Meinung nach nicht ausschließlich aus Lernen und dem Streben nach guten Noten bestehen. Kinder brauchen auch Zeit, um sich auszuprobieren, Freundschaften zu pflegen und herauszufinden, was ihnen Spaß macht.
Mir ist bewusst, dass ich durch meine Gastfamilie und meine bisherigen Erfahrungen nur einen begrenzten Einblick in das chinesische Schulsystem habe und nicht alle Kinder und Schulen gleich sind. Trotzdem hat mich dieser Eindruck zum Nachdenken gebracht. Mein Aufenthalt in China zeigt mir, wie unterschiedlich Gesellschaften Bildung und schulischen Erfolg gewichten können. Gleichzeitig frage ich mich, wie sich ein hoher Leistungsanspruch mit dem Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen vereinbaren lässt.
Auch das Elterngespräch in der Schule meiner Gasttochter hat mir gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Eltern und Lehrkräften ist. Obwohl sich die Organisation des Unterrichts und manche Regeln von Deutschland unterscheiden, haben beide Länder das gemeinsame Ziel, Kinder beim Lernen und bei ihrer Entwicklung zu unterstützen.
Ein ganz normaler Alltag als Au-pair
Ansonsten bestand mein Alltag in den letzten Tagen vor allem aus Lernen, Hausaufgaben und den üblichen Aufgaben als Au-pair. Nach meiner Erkältung bin ich endlich wieder gesund und kann meinen normalen Alltag fortsetzen.
Auch wenn nicht jeder Tag voller Ausflüge und besonderer Erlebnisse ist, gehören diese ganz normalen Tage genauso zu meinem Aufenthalt in Chengdu. Für mich besteht das Leben im Ausland nicht nur daraus, neue Orte zu entdecken und Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Es geht auch darum, den Alltag in einem anderen Land kennenzulernen, Unterschiede zu erkennen und die eigenen Vorstellungen zu hinterfragen.
Gerade solche Erfahrungen finde ich wertvoll. Sie zeigen mir, dass man eine Kultur nicht nur durch ihre Geschichte und ihre Sehenswürdigkeiten kennenlernt, sondern vor allem durch die Menschen, mit denen man zusammenlebt, und durch die alltäglichen Dinge, die einem manchmal erst auf den zweiten Blick auffallen.
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